Bequem auf dem Rad – der Sattel macht´s


Praktisch jedes Fahrrad ist nur so bequem wie sein Sattel. Besonders auf langen Strecken sollte der Sattel eher den Bedürfnissen des Fahrers angepasst sein, als zwingend dem Stil des Zweirades zu entsprechen. In manchen Fällen gelingt beides.

Herren- oder Damensattel

Sportliche Räder zeichnen sich häufig durch einen spartanisch zugeschnittenen Sattel aus. Leider nehmen viele Modelle dabei keine Rücksicht auf die unterschiedliche Anatomie oder Kleidungsgewohnheiten von Frauen und Männern. Einige Fahrerinnen nutzen ihr Rad auch dann, wenn sie Rock oder Kleid tragen. Die vorstehende Sattelnase hinterlässt jedoch unvorteilhafte Falten an der Rückseite des Kleidungsstückes. Für diese Radlerinnen wurde der sogenannte Damensattel erfunden, der lediglich eine Sitzfläche aufweist. Was viele nicht wissen: Diese Sattelform eignet sich auch besonders gut bei Problemen mit der Prostata.

TOP Empfehlung: „Brooks Damen Sattel Flyer S Classic Line“

So bietet beispielsweise der MADE IN ENGLAND „Brooks Damen Sattel Flyer S Classic Line“ aus Leder einen hohen Comfort für ‚Long Distance Trekking‘. Er ist gute 24,2 Zentimeter lang und 17,6 Zentimeter breit. Zudem ist dieser klassisch gefedert und mit zwei zusätzlichen hinteren Federn ausgestattet. Die Zeitschrift „aktivRadfahren“ hatte in der Ausgabe 09-010/2017 eine Testempfehlung für dieses Modell ausgegeben und der Komfort des Sattels wurde in zahlreichen Rezensionen im Netz bestätigt.

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Stauwärme und Sitzgewohnheiten

Allerdings sind auch Fahrradsättel für Frauen im Handel, die durchaus sportiv wirken. Hier weist die Sitzfläche entweder eine deutliche Vertiefung auf, die der weiblichen Anatomie gerecht wird, oder der Sattel ist mittig weitestgehend durchbrochen. So vermeidet die Fahrerin zusätzlich einen Wärmestau. Abgesehen von diesen anatomischen Besonderheiten existieren laut der Gesellschaft für Biomechanik in Münster seitens der Fahrer exakt zwei Typen: die Schambein- und die Sitzbeinbelaster. Welcher Typ Sie sind, liegt auch an der Art des Rades, das Sie fahren!

Belastung vorwiegend auf dem Schambein

Bei sportiven Fahrern wie Mountainbiker oder Crossfahrer kommt es häufig zu einer Belastung am Schambein, wenn der Lenker niedriger eingestellt ist als der Sattel. Auch große Personen bevorzugen diese Einstellung, um Platz für die Beinlänge zu schaffen. Durch die vorgebeugte Haltung steigt der Druck im vorderen Genitalbereich, der stark durchblutet und mit zahlreichen Nerven versehen ist. Ein ständiger Druck macht sich unangenehm bemerkbar. Zur Entlastung empfiehlt sich ein Sattel, der vorn weich und im hinteren Bereich fester gepolstert ist. So sinkt das Sitzbein nicht über Gebühr ein und verstärkt dadurch zusätzlich den Druck. Eine waagerechte Montage ist vorzuziehen. Eventuell hilft ein kürzerer Vorbau oder eine leichte Neigung nach unten.

Aufrechter Sitz – Belastung am Sitzbein

Wer beim Radfahren eine aufgerichtete Körperhaltung bevorzugt, belastet mehrheitlich die Sitzfläche des Gesäßes. Gegen den Druckschmerz am Sitzbein hilft primär Übung. Nach einigen Touren wird sich das empfindliche Gewebe an die Belastung gewöhnt haben – der Schmerz nimmt gewöhnlich ab. Achten Sie darauf, dass der Sattel im hinteren Bereich breit genug ist, damit beide Sitzbeine optimal aufliegen. Besonders auf längeren Radtouren sind gepolsterte Radlerhosen empfehlenswert, die zur Druckentlastung beitragen.

Empfehlung Damen Fahrradsattel

Laut Bewertungen aktueller Rennrad-Sattelmodelle durch ROADBIKE [3] liefert der Ergon SR Pro Women (ergonomischer Damen Fahrradsattel) bei beiden Sitztypen „Sitzknochen-“ und „Schambeinbelaster“gute Ergebnisse.

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Empfehlung Herren Fahrradsattel

Für die Herren gibt es diese Variante des Ergon SR Pro, die angenehm an den Sitzknochen ist und ohne Druckspitzen auf den Schambeinästen.

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Sehr gute Entlastung für beiden Sitztypen bietet auch der mit weicher Sitzfläche ausgestattete TERRY Arteria Herren Fahrradsattel.

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Die beste Entlastung auf den Intimbereich bietet übrigens der SQlab 612 Ergowave. Es gibt keinerlei Reibung der Schenkel am Sattel. Allerdings erfahren die Sitzknochen eine harte Punktbelastung. Daher ist er aus unserer Sicht keine wirkliche Kaufempfehlung.

Die richtige Sattelbreite ermitteln

Die optimale Sattelbreite ist je nach Körpertyp und Art des Fahrrads unterschiedlich. Bei der Auswahl der passenden Sattelbreite müssen daher einige Punkte beachtet werden.

1. Sitzknochenabstand ermitteln

Der Abstand zwischen den Sitzknochen ist bei jedem Menschen verschieden. Sie hat in etwa dieselbe Bedeutung wie die richtige Schuhgröße für bequemes Laufen. Der Sitzknochenabstand stellt das Mindestmaß der Sattelbreite dar. Dieses Maß kann mit einfachen Mitteln daheim ermittelt werden, ohne dass dafür komplizierte Hilfsmittel notwendig sind. Sie benötigen dafür lediglich:

  • Wellpappe, mindestens 20 x 20 cm (alter Karton)
  • Lineal
  • Stift
  • harte Sitzgelegenheit

Die Messung läuft wie folgt ab: Sie suchen sich eine Sitzgelegenheit (Stuhl, Bank, Brett, Kiste) mit harter und ebener Oberfläche. Darauf legen Sie das Stück Pappe und setzen sich darauf. Sitzen Sie möglichst gerade und formen Sie ein leichtes Hohlkreuz, damit Ihr Gesäß gut auf der Pappe aufliegt. Sollte Ihr Körpergewicht allein nicht ausreichen, pressen Sie Ihren Körper auf die Pappe, bis Sie ein leichtes Ploppen hören.

2. Mindestmaß der Sattelbreite ermitteln

Wen Sie jetzt aufstehen und sich das Stück Pappe genau ansehen, können Sie 2 kreisförmige Eindrücke sehen. Diese wurden von Ihren Sitzknochen verursacht. Im nächsten Schritt nehmen Sie das Lineal und messen den Abstand von Mittelpunkt zu Mittelpunkt der Eindrücke. Das ist Ihr individueller Sitzknochenabstand und zugleich das Mindestmaß der Sattelbreite.

3. Wie groß sollte die Sattelbreite sein?

  1. Wenn Sie das Bike für Triathlon oder Zeitfahren benutzen, ist ein schmaler Sattel komfortabler als ein breiter. Für diese Zwecke ist eine Sattelbreite ideal, die dem Mindestabstand Ihrer Sitzknochen entspricht.
  2. Für Fahrräder, auf denen Sie mit dem Oberkörper stark nach vorn gebeugt sitzen, benötigen Sie eine Sattelbreite, bei dem zum Mindestmaß noch 1 cm dazu kommen.
  3. Auf einem Cross Country oder Trekking Rad sitzen Sie mit dem Oberkörper moderat nach vorn gebeugt. Für diese Sitzposition empfiehlt sich eine Sattelbreite, bei der zum Mindestmaß noch 2 cm dazu gerechnet werden müssen.
  4. Auf einem Enduro oder City Bike sitzen Sie in der Regel nur leicht nach vorn gebeugt. Um darauf bequem sitzen zu können, müssen Sie zur minimalen Sattelbreite noch 3 cm dazu rechnen.
  5. Die größte Sattelbreite benötigen Sie, wenn Sie ein Hollandrad oder Damenrad fahren. Darauf sitzt man in der Regel aufrecht. Der Sattel muss 4 cm breiter als das Mindestmaß sein, damit Sie komfortabel fahren können.

Wo sollten Sie Ihren Sattel kaufen?

In vielen Ratgebern wird empfohlen, einen neuen Fahrradsattel im Internet zu bestellen. Zugegeben, der Kauf Online hat viele Vorteile. Sie können rund um die Uhr bequem von daheim aus bestellen, haben eine riesige Auswahl zu günstigen Preisen und der Fahrradsattel wird (oft sogar gratis) zu Ihnen nach Hause geliefert. Der Fahrradsattel kann zu Hause getestet werden und meist kostenlos wieder zurückgesendet werden. Trotzdem empfiehlt sich der Einkauf Online nur erfahrenen Bikern, die genau wissen, was sie wollen.

Anfänger sind dagegen in einem Fachgeschäft besser aufgehoben. Dort finden Sie Beratung und Service in einem Umfang, den kein Onlineshop anbieten kann. Im Fahrrad-Fachgeschäft gibt es zum Beispiel einen Messschemel, auf dem Sie Platz nehmen und Ihren Sitzknochenabstand exakt vermessen können. Wenn Sie dem Händler dann noch sagen, welches Rad Sie fahren, kann er Ihnen passende Sättel empfehlen. Ein guter Fahrradhändler wird Ihnen sogar gestatten, einen Sattel erst einmal für ein paar Stunden oder gar einen Tag lang auszuprobieren, bevor Sie sich zum Kauf entscheiden. Dadurch können Sie selbst testen, ob der Sattel bequem ist, bevor Sie sich zum Kauf entscheiden.

Zusammenfassung

Fahrradsättel müssen so individuell sein wie die Menschen, die auf ihnen sitzen. Der Abstand der Sitzknochen stellt das Mindestmaß der Sattelbreite dar. Je nach der Art des Fahrrads muss der optimal geeignete Sattel mehr oder weniger breiter gewählt werden. Auch die Art und Härte der Polsterung ist verschieden und hängt von Einsatzzweck und Geschmack ab. Radfahrer, die mit ihrem Bike viel unterwegs sind, besitzen oft mehrere Sättel, um zu verschiedenen Zwecken immer den passenden Fahrradsattel zur Hand zu haben. Mit einem guten, optimal passenden Fahrradsattel fällt das Radfahren leicht und der Sattel hält viele Jahre.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. https://www.velobiz.de/news/kooperation-von-gebiom-und-jeantex-traegt-fruechte-veloQXJ0aWNsZS8xNzc2biz
  2. https://www.fitforfun.de/sport/fahrrad/sattel-schmerzfrei-radfahren-sattel-typ-1-schambeinbelaster-aid-8188.html
  3. https://www.roadbike.de/rennrad-zubehoer/alles-was-sie-ueber-saettel-wissen-sollten/ ERGONOMIE-SPEZIAL: DER RENNRAD-SATTEL Alles, was Sie über Sättel wissen sollten
  4. https://www.sportalpen.com/sitzknochenabstand-bestimmen.htm: Sitzknochenabstand bestimmen: So wird‘s gemacht
  5. https://www.sq-lab.com/ergonomie/sqlab-vermessungskonzepte/sitzknochenvermessung/

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